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Oceanside

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In den letzten Jahren war Oceanside nur einmal in den Schlagzeilen, als im vergangenen Jahr ein übergewichtiger Amerikaner zu seinem "Küste-zu-Küste"-Abnehm-Fussmarsch startete. Obwohl unter der freundlichen kalifornischen Sonne gelegen, befindet sich Oceanside im Schatten seiner Nachbarn, zwischen San Diego (1 Stde.) und Los Angeles (eineinhalb Std.) unmittelbar am Pazifik bzw. zwischen Legoland und Disneyland.

Oceanside ist zwar nicht der schönste Ort an der südkalifornischen Küste, aber zu den schönen Orten kann man ja hinfahren, ein Auto braucht man in diesem fahrzeugfixierten Land ohnehin, obwohl die Verkehrsanbindung dank Amtrak Pacific Surfliner und Metrolink optimal ist, zumindest an der Küste entlang. Nicht wenige Oceansider verdienen ihre Dollars in den nahen Metropolen und pendeln mit dem Metrolink (L.A.) oder San Diego (Surfliner). Anders gesagt: Um von Oceanside bis nach Vancouver, Kanada zu gelangen, muss man nur in Los Angeles und Seattle umsteigen. Für Hartgesottene gibt sogar eine durchgehende Busverbindung nach Tijuana.

Oceanside, der Name sagt alles. Dabei schiebt sich die Stadt nicht so in den Vordergrund wie der Schicki-Micki-Ort Del Mar, hat keinen Zoo wie San Diego und keine Eierköpfe wie La Jolla, mit anderen Worten: Oceanside ist eher unspektakulär und damit - erschwinglich, für Bewohner wie Besucher. Wobei dieser Ort über ebensoviel Sand (mit etwa 5 km Strand), Palmen, Baywatcher u. dgl. bietet wie seine berühmteren Nachbarn, und als Wassersportmekka natürlich genau die gigantischen Wellen des Pazifischen Ozeans, die die Surfer anziehen wie Hummer die Gourmets. Passend dazu das Pier, das längste an der Küste, ganz aus Holz, 1988 fertiggestellt. Wem der 5-Minuten-Spaziergang zum Restaurant zu lange dauert, kann auch den Shuttle benutzen, wir sind schliesslich in Amerika. Fischen ist gratis, wer Glück hat, sieht die Wale vorbeiziehen, und an klaren Tagen schaut man bis Catalina Island hinüber. Piers verschaffen wegen der Gefahr, an die Pfosten geschleudert zu werden, dem echten Wellenreiter den besonderen Kick. Viele Geschäfte machen erst gegen 10 Uhr morgens auf, denn gesurft wird frühmorgens. Wer mehr über diese wunderliche, durchaus kalifornientypische Spezies der Wellenreiter erfahren möchte, ist im California Surf Museum bestens aufgehoben. Surfmuseen mit allem möglichen Schnickschnack gibt es so einige, aber dieses hier setzt strikt auf Authentizität und Geschichte. Der Besucher sieht sich edlen Hölzern von beeindruckender Grösse gegenüber, die nicht minder Respekt einflössen wie die Redwoods im Norden des Staates, und tatsächlich gibt es sogar welche, die aus den Stämmen der Sequoias gefertigt wurden. An die einhundert Exponate stehen hier, die ältesten aus der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts. Das Museum atmet trotz einiger Hausaltäre um Surfgottheiten wie Pat Curren oder Dale Velzy unheiligen Charme, ein wenig Kraut und Rüben, dabei aber von unnachahmlicher, eben kalifornischer Lässigkeit. Grossformatige Sepia-Aufnahmen zeigen dennoch Männer mit überwiegend ernsten Mienen, Surfen wohnt etwas religiöses inne, Frauen sieht man merkwürdigerweise nur wenige, aber: "Die Demographie ändert sich gerade", sagt Tom Glenn, der den Laden hier schmeisst, "es gibt mittlerweile Spitzensurferinnen." Bücher, Magazine, Postkarten, Hawai'ihemden, Modellautos mit Brettern auf dem Dachgepäckträger runden das Bild ab. In unmittelbarer Nachbarschaft finden Freunde des lässigen Lebensstils den Caribbean Shop und einen Plattenladen, der sich vorwiegend auf Reggae spezialisiert hat.

Ein paar Schritte den Highway 101 hinauf wartet das Motorcycle Café mit dem besten Espresso weit und breit - dabei sind Kaffeespezialitäten nicht unbedingt das erste, was man mit Bikern in Verbindung bringt. Radfahrer nähern sich der Stadt über den Coastal Rail Trail. Schlendert man die Hauptstrasse hinunter, fallen einem die vielen Friseursalons auf, die Camp Pendleton geschuldet sind, ein paar Meilen in nördlicher Richtung, wo Marines ausgebildet werden, die meistens knapp bei Kasse sind, aber jede Woche einen Haarschnitt brauchen, weswegen der Durchschnittspreis für die Kopfrasur bei $ 4.00 angesiedelt ist. Der Soldaten wegen ist die Dichte an Pfandleihern, zwielichtigen Kneipen und Musikschuppen besonders hoch, aber das macht den Ort nur interessanter.

Oceanside ist für kalifornische Verhältnisse erfrischend normal, mit einem kleinen, verträumten, aber geschäftstüchtigen Hafen. Downtown müht man sich redlich, es gibt Bestrebungen, den Highway 101 wieder zu beleben, mehr Geschäfte anzusiedeln, Galerien, und den Autofahrern will man das querparken zu ermöglichen. 599 neue Häusern sind für die Downtown in Planung, ein sicheres Indiz für einen beginnenden Boom. Man sollte sich also beeilen. Immer mehr Firmen siedeln sich an, jährlich werden lt. Handelskammer etwa 2.000 Jobs geschaffen. Dennoch wirkt Oceanside beschaulich, seine 170.000 Einwohner merkt man der Stadt nicht an. Jeden Donnerstagmorgen lässt es sich z.B. vorzüglich über den Bauernmarkt bummeln. Hier kann man ohnehin alles zu Fuss erledigen, vom Kunstmuseum braucht man eine Viertelstunde bis zum Leuchtturm am Hafen. Wenige Meilen landeinwärts kann man die Mission San Luis Rey de Francia besichtigen (da braucht man das Auto wieder), die Mutter aller Missionen aus dem Jahre 1798, wo Zorro manchen Kampf ausgefochten hat, jedenfalls in der Disney-Verfilmung, dazu gibt es den ersten Pfefferbaum, der um 1830 von Peru hierher verpflanzt wurde und den wohl ersten Waschsalon der U.S.A., eine gekachelte "lavanderia" der Indianer, ebenfalls aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Die Temperaturen sind dank der kühlenden Winde vom Pazifik optimal, und da der Kalifornier immerzu positiv aufgestellt ist, meidet der Wetterbericht das Wort Nebel konsequent und spricht von "marine layers" bzw., ab dem 1. Juli, von "low-flying clouds". Das aktuelle Wetter findet man unter http://www.wunderground.com/US/CA/Oceanside.html

Oceanside ist mit dem amerikatypischen Gürtel von Hotels umgeben. Wer mit schmalem Geldbeutel unterwegs ist und einen etwas skurrilen Charme geniessen will, dem sei das Hotel Dolphin empfohlen, das seine Eingangshalle original aus dem 40er Jahren in die Gegenwart hinüber gerettet hat.

Weitere Informationen unter California Welcome Center - Oceanside
928 North Coast Highway
Oceanside, CA 92054
Tel: 760/721-1101 or 800/350-7873
Web: www.oceansidechamber.com

© Thomas C. Breuer Rottweil 08.07.2005/05.04.2006
Erschienen in der Rhein-Neckar-Zeitung am 22.07.2006 als "Surfers Paradies"
© Dave Thomas (Foto)

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Aktualisiert am 09.09.2009