Der Großmeister der Sprache

Literarisches Kabarett? Ist doch tot, toter geht gar nicht. Literarisches Kabarett? Lebendig, aber richtig. Paradox? Nur für den, der sich dem Mainstream-Comedy-Diktat á la Pocher ergeben hat und es bei einem Kabarettabend am liebsten mag, wenn er sich brüllend und beständig auf die eigenen Schenkel klopfen kann vor Lachen.
Für alle anderen gilt: Lasst es breuern. Nein, Thomas C. Breuer, seit 30 Jahren im knallharten Kleinkunstgeschäft tätig, hat es wahrlich nicht nötig, seinem Publikum Pfeffer in den Allerwertesten zu blasen. Auch wenn diese Methode aus den Urzeiten des Pferdehandels, mit der der betrügerische Händler einen lahmen, alten Gaul noch ein wenig feuriger wirken lassen konnte, durchaus auch für heutige Zeiten Wirkung haben könnte. Als Dopingmöglichkeit vielleicht? So sieht es zumindest Breuer selbst, wenn er sich über die Vielfalt des Pfeffers auslässt.
"Salsa und Pfeffer", das Jubiläumsprogramm, mit dem Thomas C. Breuer derzeit tourt, verspricht viel. Und hält es meist. Vor der Pause zumindest drögt Breuer ein wenig vor sich hin. "Im Tran zeig' ich Zen Dental": Transzendental Okay, mancher stöhnt bei diesem breuer-typischen Wortumdeutungsprojekt laut auf. Breuer muss wohl erst in Fahrt kommen. Statt "Kleinkunst" "Bonsaiart" - auch nicht so schlecht. Doch dann kommt, was einen wie Breuer vom dauerhippen Pocher unterscheidet. "Der Comedian macht seine Arbeit wegen dem Geld. Der Kabarettist wegen des Geldes". Umpf, ja, das sitzt, braucht ein wenig, bis es die für die Grammatik zuständige Hirnregion erreicht hat, um dann so richtig seine Wirkung entfalten zu können. Und bei Comedy komme die Leut Okay, okay, so ist Breuer, ist sich auch des platten Kalauers nicht zu schade.
Dafür und für die Tatsache, dass "ein Heer von Flachwichsern die Flachbildschirme bevölkern" braucht er Mitleid. "Mitleid", brüllt das Volk zu seinen Füßen gehorsam, so langsam hat er sein Publikum im Griff. Der gelernte Buchhändler braucht keine abgefahrenen Turnübungen, auch kein tiefgründiges Minenspiel, ihm reicht die Macht der Worte. Mangelnder Ernst? Wieso nicht bügelnder Spaß? Da muss man erst mal drauf kommen.
Das Alter macht sich auch bei Kabarettisten bemerkbar. Life, lifestyle, Lifta Treppenlift, so ist der Lebenslauf. Auch des englischen ist Breuer mächtig, "Höret die Botschaft, listen to the embassy". Doch spätestens, als Breuer den musikalisch durchtränkten Tag eines durchschnittlichen jungen Menschen porträtiert (Umpf, Umpf, Badabadaumpf), hat er seinen Platz auf der Bühne des Innenhofs gefunden.
In der Pause dann Bücherverkauf und Widmungschreiben. Im zweiten Teil bläst er dann so richtig Pfeffer ins Publikum. Erzählt von Biolek, dem Nudelflüsterer, berichtet von Siegmar Gabriel, der so eitel ist, dass er daheim nur Spiegeleier isst (der Gag braucht bei manchen auch eine ganze Weile), kotzt sich aus über moderne Bäckereien (Broteria und Co.) und lässt kein gutes Haar an politischen Dünnbrettbohrern ("Politik ist eine Sache, von der Laien keine Ahnung haben", braucht auch ein bissel). Und mit "I have a dream" beweist Breuer noch einmal wortgewaltig, zu was Sprache fähig ist. Literarisches Kabarett, es lebe hoch.
Uwe Spille, 28.08.2007 Südkurier