Operation Dornbusch
Operation Dornbusch
Machen wir uns nichts vor: Donald Trumps geopolitische Ansätze sind einem herausragenden geographischen und strategischen Verständnis geschuldet. Dringend braucht er Grönland, weil die Insel sonst in die Hände Russlands (oder Chinas) fallen wird – und eine gemeinsame Grenze mit Russland, die will er keinesfalls. Die paar Meilen zwischen Alaska und Sibirien fallen eh kaum ins Gewicht. Das Weiße Haus hat einen Clip produziert, in dem Donald Trump mit einer amerikanischen Flagge auf einer Eisscholle steht, begleitet von einem Pinguin. Der tapfere Vogel hat sich eigens von der Südhalbkugel in den hohen Norden bemüht, um dem wagemutigen Mann bei seiner Mission beizustehen. Das ist vorbildlich! Der Fronten sind viele: In diesem Jahr will The Donald die Mauer zwischen New Mexiko und Mexiko endlich vollenden, und selbst die zwischen Colorado und Mexiko – wie bereits 2019 versprochen – wird vorangetrieben, selbst wenn die beiden gar keine gemeinsame Grenze haben. Mit Lappalien kann er sich nicht aufhalten.
Grönland: schon während seiner ersten Amtszeit hatte er Ansprüche bekundet, vor allem, nachdem die Cocktailmixer in New York und Mar y Lago sich bitter und vor allem lautstark über das Dahinschmelzen der amerikanischen Eiswürfelvorräte beklagten. Zeitgleich gingen die Reserven der Speiseeishersteller wie Häagen Dazs und Ben & Jerry’s zur Neige, woraufhin Ben & Jerry sich entzweiten. Also unternahm Präsident Trump das Naheliegende: der dänischen Regierung vorzuschlagen, die Insel Grönland (Kalaallit Nunaat) zu kaufen. Mit Alaska hatte das bereits 1867 geklappt, ein Schnäppchen. Überraschenderweise zeigte man sich in Købnhavn wenig geneigt, dabei ist Grönland für Amerikaner naheliegend: von Washington nach Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, sind es 3.200 Kilometer, nach Kopenhagen aber 300 Kilometer mehr. Politisch mag es zu Europa gehören, geographisch aber zu Nordamerika. So fucking what?
Außerdem passt Grönland besser zu den Staaten als zur liberalen Weicheierrepublik Dänemark: das Eiland erzielt regelmäßig weltweite Spitzenwerte bei Kindesmissbrauch und häuslicher Gewalt, dazu kommt eine der höchsten Selbstmordquoten der Welt. Für Abwechslung sorgen höchstens über siebenhundert Insektenarten, darunter eine erstaunliche Artenvielfalt allein an Stech- und Kriebelmücken. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, eine Art unfreiwilliges „Holiday on Ice”, weswegen dringend über die Trinksitten angesprochen werden sollten. Auf Grönland findet man kaum Anonyme Alkoholiker, fast alle sind der Polizei bekannt. In den besseren Kreisen der Hauptstadt genehmigt man sich häufig einen „Arjen Robben”, ein gewöhnungsbedürftiger Likör, der aus … Will das wirklich jemand wissen?
Es soll ja Leute geben, die sich stundenlang aufregen können über Agent Orange, wie er da hockt und schäumt vor Wut und per Sekret regiert, mit einer Unterschrift, die wie ein Seismograph bei Erdbeben übers Papier schrappt. Er muss eine strapazierfähige Unterlage auf seinem Schreibtisch haben, es sei denn, er beschäftigt sich nebenher mit Intarsienarbeiten. Whatever, seine Durchsetzungsfähigkeit ist nicht zu unterschätzen. Viele haben Angst, sogar Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter hatte davon abgeraten, zur WM in die USA zu reisen. (Wer hätte je gedacht, dass man den mal vermissen wird?) Diese Leute, die unablässig von den „Vereinigten Strafen von Amerika“ schwadronieren, haben jedenfalls gar nichts begriffen.
Es gibt im Weißen Haus freilich weitere Überlegungen: die Rückführung des Panama-Kanals oder der neue Slogan „Oh, wie schön ist Kanada” sind bekannt. Bleiben wir daher im Lande – also in unserem. Der Versuch von Elon Musk, sich Brandenburg als 52. Bundesstaat einzuverleiben, ist vorerst auf Eis gelegt. Trump scheint eher über eine Inselbegabung zu verfügen. Nach Grönland steht Kuba auf der Agenda, sowie eine Insel, die den Frieden im baltischen Raum sichern dürfte, denn etwas weiter nördlich von Grünheide liegt eine Insel, die urplötzlich in den Fokus geraten ist: Hiddensee. Die Ostsee ist zu den bevorzugten Routen der sog. „Schattenflotte” avanciert: über tausend Öltanker exportieren trotz des Embargos weiterhin Öl aus Russland, und en passant kappen sie gerne mal ein paar Kabel, um internationale Verbindungen zu sabotieren und Infrastrukturen zu zerstören.
Liebe HiddenseerInnen, ihr müsst jetzt stark sein, aber es geht um das große Ganze: Von eurer Insel lässt sich das schändliche Treiben bestens beobachten – und im Falle eines Falles kann man vom neu zu errichtenden Kriegsschiffterminal am Leuchtturm Dornbusch rasch zuschlagen. Das „Hidden” im Inselnamen bedeutet im Englischen „versteckt” – das heißt, die Russen haben die Insel gar nicht auf dem Schirm – die ist so unsichtbar wie ein 19,07 km2 großer Stealthbomber. Deshalb hat Kriegsminister Hegseth alles in die Wege geleitet für die „Operation Thornbush”. Bald schon wird Trump Hiddensee besuchen, und er wird seinen Pinguin dabei haben. Er will euch überzeugen, was er easy mit seinem einnehmenden Wesen schafft. Ihr werdet einfach Verständnis haben müssen, die Bundesregierung hat bereits Zustimmung signalisiert. Schließlich müssen wir gemeinsam verhindern, dass der Dornbusch irgendwann brennt! Wir alle sind Teil der internationalen Bewegung MRSA – „make Russia small again!”
Liebe HiddenseerInnen, ihr müsst das einsehen: niemals kommt ihr vorbei an diesem Kerl, der mit Hilfe christlicher Fundamentalisten an die Macht gekommen ist. Der Herr hält seine schützende Hand über seinen Sohn. Das passt, das Kreuz ist nämlich ein Fadenkreuz. Er ist sowieso nicht der alleinige Peiniger. J.D. Vance als spiritus rectum, sein Kriegsminister, Pete Hegseth – als Dick-Pic auf zwei Beinen. Nimm noch die Tech-Boys dazu – mit diesem Personal ist nicht zu spaßen. Wenn Donald sich über unbotmäßige Grönländer oder widerborstige Kanadier beschwert, klingt das immer ein bisschen so, als müsste jeder Satz mit der Formulierung enden: „Und außerdem hat er mir meine Schaufel geklaut! Bäh …“ Also Obacht!
Aktuell tut Donald Trump viel für das Klima, denn bei den Spritpreisen lassen viele das Auto stehen. Dazu die albernen Zölle – die Drosselung der Märkte reduziert den Schadstoffausstoß. Dass bei euch keine Autos, fahren, geht allerdings gar nicht. Nur weil bei euch die Wege mit verhärtetem Sanddornlikör … Da müsst ihr schleunigst was ändern.

